Anträge Wir fordern

Antrag Einführung des Abwassermonitorings als Pandemie-Frühwarnsystem

Gerne dokumentieren wir hier den von Pirat Oliver Ding entworfenen Antrag zum Abwassermonitoring in Leverkusen.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
bitte stellen Sie folgenden Antrag auf die Tagesordnung des Rates und der zuständigen Gremien.

Antrag

Die Stadt Leverkusen beauftragt die TBL:

  1. Ein Verfahren zum Abwassermonitoring auf Vorhandensein von SARS-CoV-2 einzuführen. Damit soll festgestellt werden, wenn es zu Ausbrüchen, um zeitnahe Eindämmungsmaßnahmen einleiten zu können. Dafür wäre ein quartiers- oder stadtteilscharfes Monitoring notwendig.
  2. Messstellen für Abwassermonitoring so einzurichten das auch weitere gesundheitlich sowie umweltrelevante Daten aufgenommen werden können. Beispielsweise können pharmakologische Abbauprodukte nachgewiesen werden.[6]

Begründung

Im Abwasser lässt sich zuverlässig die Entwicklung der Corona-Pandemie verfolgen. Weltweit haben Forscherinnen und Forscher bewiesen, dass es möglich ist, Kläranlagen als Frühwarnsystem zu nutzen. Grundlage ist die Analyse von Stuhlausscheidungen, in denen sich das Coronavirus nachweisen lässt – darüber lässt sich demnach die Verbreitung des Virus in einer bestimmten Region nachvollziehen.

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages stellt in der Stellungname „Abwasserbasierte
Epidemiologie: Abwassermonitoring als Frühwarnsystem für Pandemien“[1] fest, „dass ein
Abwassermonitoring Infektionsherde landesweit früh quantitativ, örtlich differenziert und im
zeitlichen Verlauf erfassen könnte. Abwasserscreenings, die systematisch über die gesamte Bevölkerung testen, lassen nach Aussage der oben zitierten Experten eine Tendenz der Fallzahlen früh erkennen.“ Laut Aussage von Susanne Lackner, Professorin für Abwasserwirtschaft an der TU Darmstadt, sieht man im Abwasser die Entwicklung je nach Technik zwischen vier und zehn Tagen früher als im medizinischen Bereich.[2]

Entsprechende Projekte sind z.B. bei der TU Darmstadt[3] oder beim Helmholtz-Zentrum für
Umweltforschung[4] bekannt. In München wurde z.B. bereits Anfang Dezember die Virusvariante
Omikron im Abwasser gefunden, was auf eine größere Verbreitung als durch die jeweils erfassten Fallzahlen hinweist. Zudem starteten Anfang Februar 2022 Pilotprojekte, bei denen an 20 Standorten in ganz Deutschland systematische Untersuchungen des Abwassers auf das Virus durchgeführt werden[5].

Wenn in einer Niedriginzidenzphase in einem Stadtteil ein Anstieg gemessen wird, könnten die dortigen Bewohner frühzeitig darüber z.B. über lokale Medien informiert werden, um sich bei Symptomen schnelltesten zu lassen. Überdies ließe sich ein bereits installiertes System bei nicht auszuschließenden zukünftigen Epidemien rasch an den dann relevanten Erreger anpassen.

Mit freundlichen Grüßen
Keneth Dietrich

[1] https://www.bundestag.de/resource/blob/848440/ 484417db3669d04d1980cadb380de056/Abwasser-Covid-19-data.pdf
[2] https://www.rnd.de/gesundheit/es-fehlt-am-politischen-willen-expertin-draengt-auf-
abwasseranalysen-im-kampf-gegen-pandemie-7MRVYUOG6I6ZWZMBIAQYV6PCTE.html

[3] https://www.tu-darmstadt.de/universitaet/aktuelles_meldungen/archiv_2/ 2021/2021quartal2/news_archiv_de_310464.de.jsp
[4] https://www.ufz.de/index.php?de=47208
[5] https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/131688/Corona-wird-nun-im-Abwasser-ueberwacht
[6] https://score-network.eu/monitoring/

Beratungsfolge

Die Beratungsfolge des Antrags ist im Ratsinformationssystem nachzuvollziehen.